Als in den 90er Jahren das Internet so langsam populär wurde und immer mehr Leute online kamen, lagen die großen Entwicklungen, Innovationen und Geschäfte dieser Technologie noch in ferner Zukunft. Es gab viele Tüftler und Enthusiasten, die diese neue Spielwiese mit offenen Armen empfingen und mit ihr experimentierten, noch viel mehr gab es indes skeptische Blicke bis Unverständnis. Es brauchte nun wirklich einiges an Vorstellungskraft um vorhersagen zu können, was das Internet zwanzig Jahre später wohl für Auswirkungen auf praktisch alle Lebens- und Geschäftsbereiche haben könnte. Nun, heute sind wir schlauer.

Neben einer bisher ungekannt rasanten technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung, hat das Internet auch das Wort “Disruption” salonfähig gemacht. Wir sind es fast gewohnt, dass jeden Moment eine neue Idee um die Ecke kommen kann, die in kürzester Zeit die Welt verändert. Sehr oft haben wir das in den letzten Jahren schon erlebt. Zu schwer lässt sich eine Welt ohne den ganzen Fortschritt der letzten zehn oder zwanzig Jahre vorstellen.

Das Internet ist eine riesige Kopiermaschine…

Das Internet, und die damit einhergehende Digitalisierung, hat den Zugang zu Informationen stark vereinfacht und die Transaktionskosten für selbige praktisch auf Null gesenkt. Alles was sich digitalisieren lässt, ist fast an jedem beliebigen Punkt der Erde verfügbar und in beliebiger Zahl reproduzierbar. Das ist Alltag. Wir erleben diesen Zustand der hohen Vernetzungsdichte beispielsweise wenn in unseren sozialen Netzwerken etwas “viral geht”. Innerhalb von kürzester Zeit verbreiten sich Texte, Bilder oder Videos rund um den Planeten und erreichen eine unvorstellbare Masse an Menschen.

… nur sollte nicht alles Digitale kopierbar sein.

Das Internet ist wie geschaffen für Informationen aller Art. Es stößt in seiner jetzigen Form aber an Grenzen, wenn es um Dinge geht, bei denen es stark von Nachteil ist, wenn sie sich eins zu eins kopieren lassen. Das sind Werte im allgemeinen, oder Eigentum, Besitz, Identität und Geld im besonderen. Dinge also, die mit der Digitalisierung und der einhergehenden Kopierbarkeit ihren Wert verlieren. Nun gab es seit Anbeginn des Computerzeitalters immer wieder Versuche mit diversen technischen Hürden Reproduzierbarkeit einzuschränken und zu verhindern, aber so ausgefuchst die Kopierschutzmechanismen oder Zugangsbeschränkungen auch immer waren, es gab immer jemanden, der sie mit mehr oder weniger Aufwand umgehen konnte.

 

CC BY-SA 4.0 David StankiewiczCC BY-SA 4.0 David Stankiewicz

Das Zeitalter der digitalen Werte

Nur neun Seiten lang ist das Whitepaper, das 2008 die offizielle Erfindung von Bitcoin vorstellte. Es dauerte ein paar Jahre, bis die Kraft dieser Erfindung einem größeren Kreis bekannt wurde. Bitcoin ist die erste und bisher bekannteste Anwendung der Blockchain-Technologie. Selbige ist ein digitales und kryptografisch abgesichertes Kassenbuch, das den Austausch von Werten in einem digitalen Netzwerk erlaubt. Mit einer Blockchain wird das Internet um die Möglichkeit erweitert, Werte, Vertrauen, Identität oder Recht zu digitalisieren und auf andere Personen zu übertragen. Es ist sichergestellt, dass es einen digitalen Wert, eine Identität oder einen Besitz nur einmal gibt. Dieser lässt sich übertragen, aber nicht kopieren. Mehr noch: es braucht für den Betrieb keine zentrale Instanz, wie beispielsweise eine Bank, die Verwaltung oder Vertrauen bereitstellt. Das Netzwerk und dessen Teilnehmer übernehmen diese Aufgabe. Das hat, weit genug gedacht, weitreichende Implikationen für Wirtschaft und Gesellschaft. Nicht wenige Stimmen sprechen der Blockchain-Technologie die disruptive Kraft des Internets und seiner Innovationen zu, auch wenn wir es im Grunde genommen “nur” mit einer technischen und kryptographischen Weiterentwicklung, und nicht mit einer komplett neuen Erfindung zu tun haben.

Blockchain ist für alle da

Für die Blockchain-Technologie gibt es zumindest theoretisch vielfältige Einsatzmöglichkeiten – und zwar immer dann, wenn die Zuordnung eines Wertes oder einer Eigenschaft zu einer Institution, Person oder Adresse klar und eindeutig festgestellt und/oder gesichert verändert werden soll. Bei Bitcoin oder anderen Kryptowährungen sehen wir, dass digitales Geld ohne eine Bank nicht nur möglich, sondern auch praktikabel ist. Das System sorgt dafür, dass einmal mehr die Transaktionskosten gesenkt werden und gegen Null gehen. Darüber hinaus bietet sich ein Ansatz für voll automatisierte Geschäftsbeziehungen. Mit “Smart Contracts” lassen sich Verträge und damit, weit genug gedacht, schlussendlich Recht digitalisieren und automatisieren. Das hat viel zu bedeuten für Geschäftsbeziehungen und Prozesse, die bisher quasi von Hand erledigt wurden. Blockchain wird in Fachkreisen als Lösungsansatz für drängenden Aufgaben und Probleme rund um IT-Sicherheit, Privatsphäre, digitale Selbstbestimmung in einer zunehmend von der Digitalisierung, dem Internet der Dinge und der Industrie 4.0 geprägten Welt gesehen. Dabei stellt die Technologie immer auch bestehende Geschäftsmodelle in Frage, insbesondere jene, die bisher eine Vermittlerfunktion hatten bzw. als Intermediär aufgetreten sind. Eine Vielzahl von Unternehmen und Startups beschäftigen sich mit den Möglichkeiten und Auswirkungen der Technologie auf Geschäftsmodelle; naheliegenderweise aus der Finanzindustrie, der Logistik oder der Energieversorgung, aber auch darüberhinaus. Allerdings wird der Technologie auch mehr zugesprochen, als sie vielleicht am Ende halten kann. Aber auch das ist eine Parallele zu den Anfangsjahren des Internets.

Wir und die Blockchain

Zum Einsatz der Blockchain-Technologie bilden sich grundsätzlich zwei verschiedene Philosophien heraus: Die Vertreter von Bitcoin und weiteren Kryptowährungen verfolgen eher einen libertären oder revolutionären Ansatz. Im Vordergrund steht hier Disruption, die teilweise auch bestehende Machtstrukturen, beispielsweise durch die Ablösung der Intermediäre wie Banken, auflösen soll.

Auf der anderen Seite versuchen Unternehmen zu verstehen, wie sie mit Hilfe dieser Technologie ihre bisherige Position ausbauen können. Bei diesem eher technokratischen bzw. evolutionären Ansatz wird analysiert, wie bestehende Unternehmen und Institutionen die Effizienzvorteile und neuen Möglichkeiten der Blockchain-Technologie für ihre Geschäftsmodelle und die dazugehörigen Prozesse nutzen können.

Und genau damit wollen wir uns beschäftigen. Welche Auswirkungen und Möglichkeiten hat die Technologie auf Gesellschaft und Geschäftsmodelle? An verschiedenen Schnittstellen und auf unterschiedliche Arten beschäftigen wir uns mit Blockchain. Wir wollen gemeinsam die Technologie verstehen, Potenziale entdecken, Ideen fördern und Kontakte knüpfen. Sprechen Sie uns gerne an, wenn sie an dem Thema interessiert sind.