Gamification beschreibt das Prinzip, die wesentlichen Motivatoren von Spielen wie z.B. Spaß, Spieltrieb oder Leidenschaft auf reale Probleme ausserhalb von Spielszenarien anzuwenden. Für Unternehmen erscheint dies auf den ersten Blick ein Widerspruch zu geordneten und planbaren Abläufen. Gleichzeitig eröffnet es aber die Möglichkeit, mithilfe von den richtigen Spielelementen zusätzliche Potentiale und Energien zur Problemlösung freizusetzen, die ohne diese Zutaten so nicht entstehen würden. Dies lässt sich auf viele Bereiche im Unternehmen anwenden – von administrativen Aufgaben über Marketing, Aus- und Weiterbildung bis hin zum Management.

Woche für Woche verbringen mehrere hundert Millionen Menschen Milliarden von Stunden mit höchster Konzentration und Kreativität auf der Suche nach Erfolg, Reputation und Exzellenz: Beim Spielen. Unternehmen, welche die Mechanismen und Motivation dahinter verstehen und richtig einzusetzen wissen, bietet sich die Chance, einen Teil dieses enormen Potentials für eigene Zielsetzungen nutzen zu können.

Es gibt bereits eine ganze Reihe von Unternehmen, die sich dieses Prinzip der Anwendung von Spielmethoden auf die reale Welt (“Spielifizierung” aka “Gamification”) für Problemstellungen erfolgreich einsetzen. So finden sich Umsetzungen unabhängig von der Unternehmensgröße – Gamification ist nicht auf innovative Startups beschränkt, sondern findet sich genauso vom Mittelstand bis hin zu Weltkonzernen wie Intel, SAP, Microsoft, McDonalds oder Bayer.

Kern der Überlegungen ist dabei immer, wie sich Motivation aus Spielmechanismen auf reale Probleme abbilden lässt, ohne dabei den spielerischen Charakter und Antrieb zu verlieren. Als Elemente finden dabei oft Auszeichnungen in Form von Punkten, Abzeichen oder Ranglisten Anwendung. In Verbindung mit Motivatoren, die bewusst außerhalb des Unternehmenskontext stattfinden, wie dem Streben nach Unabhängigkeit, Exzellenz und Sinnhaftigkeit, kann sich daraus eine starke Dynamik aufbauen lassen. Als Spieler kommen nicht nur Mitarbeiter in Frage, sondern auch Lieferanten, Kunden, Partner oder externe Experten, die sich auf diesem Weg bewusst in die eigene Organisation einbinden lassen.

Gerade die Gratwanderung zwischen intrinsischen und extrinsischen Anreizen erfordert eine sorgfältige Planung und ausreichenden Vorlauf, eine starke Begleitung sowie eigene Ressourcen für die Umsetzung. Ganz wesentlich sind dabei:

  • Freiwillige Teilnahme – Man spielt mit, weil man Teil des Spiels sein will und nicht, weil man dazu in irgendeiner Form gezwungen wird.
  • Transparenz – Nach jedem “Spielzug” sollte klar ersichtlich sein, wer sich an welcher Stelle befindet, um echte Gruppendynamik zu nutzen.
  • Klare Zielsetzung – Ein eindeutiges und einfach zu erfassendes Regelwerk garantiert Fairness und gleiche Voraussetzungen für alle Beteiligten.

Hier zeigt sich zugleich, dass es darauf ankommt, alle beteiligten Aspekte sorgsam aufeinander abzustimmen und die Zielsetzungen so zu definieren, dass sie im Einklang mit dem stehen, was das Unternehmen am Ende erreichen möchte. Schon kleine Fehler in der Umsetzung genügen, damit sich der Nutzen von Gamification ins Gegenteil verkehrt. Es zeigen sich hier viele Parallelen zur erfolgreichen Umsetzung von Open Source Projekten.

Allen Verantwortlichen und Führungskräften die einen Zugang zu diesem Themengebiet suchen und sich intensiver damit beschäftigen wollen, bietet z.B. der freie Coursera MOOC der University of Pennsylvania über Gamification einen empfehlenswerten Anlaufpunkt.


Audi AG Blog: Spielerisch in die Zukunft
The epic win blog: Mario Herger on Enterprise Gamification
Jane McGonigal’s TED Talk: How gaming can make a better world
enterpriseirregulars.com: is there value in enterprise gamification? (part 1, part 2, part 3)