Die Open Source Research Group möchte berufsnahe Lehre für die Softwareindustrie mittels der Case-Methode ausbauen und ruft zur Unterstützung auf Basis von unternehmensnahen Praxisfällen und Industrieerfahrungen auf. In der Softwaretechnik werden häufig Lehrinhalte mit “harten” Konzepten und Fakten in Vorlesungen gut vermittelt.

Geht es aber um weniger technische Fragen von Geschäftsstrategie und Taktik in der Softwareindustrie, geraten reine Vorlesungen als Lehrmethodik schnell an ihre Grenzen. Besser wäre es, mit konkreten der Praxis entlehnten Beispielen Studierenden Material an die Hand zu geben, anhand dessen sie sich die relevanten Konzepte erarbeiten können. In der Vorlesung wird dann diese Eigenarbeit vertieft und diskutiert. Diese Lehrmethodik nennt sich auch die Case-Methode. Sie wurde bereits vor ca. 100 Jahren an der Harvard Business School eingeführt und hat sich seitdem in der Lehr- und Lernpraxis bewährt. Je größer die Unsicherheit in der Entscheidungsfindung in einer Berufssituation, je “weicher” die fachlichen Konzepte, desto besser funktioniert die Case-Methode als Vorbereitung der Studierenden auf ihre Berufspraxis.

Grundlage der Case-Methode ist der “Case” (Fallbeispiel), eine schriftliche Darstellung einer konkreten Situation in einem Unternehmen, in der eine Entscheidung getroffen werden muss. Welche Entscheidung variiert von Case zu Case, je nach zu vermittelnden Konzepten und Lehrinhalten. Mal handelt es sich um die grundsätzliche Frage einer Software-Neuentwicklung, eine “Make-vs-Buy”-Entscheidung, einen Markteintritt, oder eine Einstellungsentscheidung, etc. Beispiele für Cases findet man auf der Website des European Case Clearing Houses, ECCH. Besonders hervorzuheben ist die Stanford Free Case Collection, welche unentgeltlich zur Verfügung steht.

Die Open Source Research Group hat im vergangenen Semester begonnen, Cases in der Lehre zu verwenden. Dies betrifft insbesondere das Seminar Product Management. Bedauerlicherweise stehen zu wenige gute Cases kostenlos zur Verfügung und deutsche Studierende sind häufig nicht bereit für Lehrmaterialien zu zahlen.

Die Open Source Research Group möchte im Laufe der Zeit qualitativ hochwertige und für Studierende kostenlose Lehrmaterialien entwickeln. Die Erstellung von Fallbeispielen stellt hierbei einen wichtigen Teil dar. Für effektive Cases werden gute, der Praxis entnommene Beispiele gesucht. Wir möchten Sie hiermit bitten, sich zu melden, wenn Sie einen konkreten Fall aus Ihrer Unternehmensgeschichte vor Augen haben, von dem Studierende lernen können, und den darzustellen Sie bereit wären. Am besten liegt das Beispiel nicht allzu lange zurück, ist weitgehend abgeschlossen und darf veröffentlicht werden. Wir sind natürlich auch an Verweisen auf Ihnen bekannte Fallbeispiele anderer Personen und Unternehmen interessiert. Der Aufwand beschränkt sich auf das Interview und ggf. eine Begutachtung der von uns entwickelten Materialien.

Das erste Ziel ist die Entwicklung von Materialien für die Produktmanagement-Veranstaltung. Aus dem Grund gibt es ein besonderes Interesse an industriellen Fallbeispielen zu den folgenden Fragen (entnommen aus dem Lehrplan ür das Produktmanagement-Seminar):

  • What makes a product inspiring? Emotionally engaging?
  • What types of products are there? What are their properties?
  • How to find the first customer? How to develop the customer?
  • What are best practices of defining a business opportunity?
  • How define the product vision and value proposition?
  • How to specify and manage a product roadmap?
  • How to define features and releases?
  • How does product management work with traditional processes?
  • How to go to market with the product?
  • How to product-manage open source projects?

Dies sind recht allgemeine Fragen und Cases würden üblicherweise eine spezifischere Frage adressieren. So wäre z.B. ein Case zur Preisfindung von einem Firmensoftwareprodukt von besonderem Interesse, anhand dessen Studierende sich in die Preisfindung von Produkten einarbeiten können. Ein weiterer Case könnte sich mit dem Vertriebskanal von webbasierter Endkundensoftware beschäftigen, mit Fokus auf der Bewertung und Steuerung der Website oder A/B Testing.

Die Cases werden aller Voraussicht nach in Englisch verfasst werden; dennoch wäre es wünschenswert, wenn die Fallbeispiele der deutschen Wirtschaft entspringen und die Industrie-Realität wiedergeben.

Bitte wenden Sie sich an Professor Dirk Riehle, falls Sie Lust und Zeit haben, um über einen konkreten Fall aus Ihrem Unternehmen zu sprechen. Die Open Source Research Group freut sich darauf, von Ihnen zu hören!

http://osr.cs.fau.de/2011/09/13/aufruf-zur-unterstutzung-berufsnaher-lehre-fur-die-softwareindustrie-mittels-case-methode/