Crowdfunding, eine “alternative Finanzierungsform durch viele einzelne Personen”, ist eine noch junge Idee, die seit einigen Jahren immer mehr eine ernstzunehmende Alternative zu klassischen Finanzierungswegen darstellt. Crowdfunding löst dabei zwei wesentliche Herausforderungen auf einmal: Im Idealfall lässt sich damit ausreichend viel Risikokapital beschaffen, ohne dabei jedoch den sonst einhergehenden Kontrolleinfluss durch einen Investor in Kauf nehmen zu müssen. Gleichzeitig ist es ein ausgesprochen relevanter Praxistest, ob für das geplante Produkt überhaupt ein ausreichend grosser Markt besteht.

Möglich wurde Crowdfunding nicht zuletzt durch die einfache Umsetzung von Marktplätzen im Internet. Das Prinzip dahinter ist leicht erklärt: Jemand hat zwar eine Idee für ein innovatives Produkt, aber nicht das notwendige Kapital zur Umsetzung. Über Crowdfunding bietet er seinen zukünftigen Kunden an, die Realisierung der Idee bereits vorab finanziell zu unterstützen (das sogenannte “Pledging”).

Meist wird dieses in mehreren Preisstufen angeboten. Diejenigen, die dann vorab Geld geben und somit auch einen kleinen Teil des unternehmerischen Risikos mittragen, erhalten als Erste ein Exemplar des Produkts, sobald es ausgeliefert wird. Je nach Höhe des finanziellen Beitrags gibt es oft darüber hinaus weitere Leistungen in Form von besonderen Ausführungen oder zusätzlicher Services.

Allein auf der Plattform Kickstarter haben im Jahr 2012 über 2 Millionen Menschen aus über 150 Ländern insgesamt mehr als 250 Millionen Euro in über 18000 erfolgreich umgesetzte Projekte investiert. Schwerpunkte sind dabei neben neuartigen Produkten vor allem Kunst, Musik, Filme, Spiele, Bücher oder Theater.

Mittlerweile kämpft eine unüberschaubare Vielzahl an Plattformen um Aufmerksamkeit, die verschiedene Arten und Facetten von Crowdfunding für unterschiedliche Zielgruppen und Interessen bieten. So haben sich auch ganz spezielle Varianten wie z.B. Flattr hervorgetan, die es ermöglichen, einen bestimmten monatlichen Betrag individuell auf persönlich als herausragend empfundenen Inhalten im Internet zu verteilen (das sogenannte “Flattern”).

Damit lassen sich für die Ersteller der Inhalte wie z.B. Blogs, Podcasts, Videos oder Musik ganz neue Geschäftsmodelle denken – ein ausgesprochen spannender Weg aus der so verfahrenen Situation für die Branchen, die am meisten unter der Digitalisierung ihrer Inhalte leiden.

Eine andere Variante beschreiten Unternehmensfinanzierer wie SeedMatch, die das Crowdfunding darauf anwenden, nicht nur einzelne Produkte, sondern gleich ganze Unternehmen – vorzugsweise Start-Ups – durch viele Einzelpersonen zu finanzieren. Hier liegen dann auch die Investitionsbeträge deutlich höher bei weniger Beteiligten. Für das hierdurch finanzierte Startup ergeben sich die gleichen Crowdfunding Vorteile.

Für alle Formen birgt Crowdfunding neben der Chance, einem neuen Produkt oder einer Idee in die Realisierung zu helfen, auch das Risiko, das das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. Die investierten Beträge werden meistens treuhänderisch entgegengenommen und so fällt zwar das Risiko weg, seine Einlage zu verlieren, falls sich nicht genug Unterstützer finden und damit das Finanzierungsziel nicht erreicht wird.

Dies schützt aber nicht davor, dass ein fertiges Produkt nicht den Erwartungen gerecht wird. Das können wir aktuell an der über Kickstarter finanzierten Spielekonsole OUYA mitverfolgen, die inzwischen ausgeliefert wurde, aber trotz der überraschend hohen Überfinanzierung (das Projekt erreichte $ 5 Mio an Funding) an vielen Stellen leider noch mehr an eine Baustelle als an ein fertiges und vor allem konkurrenzfähiges Produkt erinnert.

Wer sich näher mit der Crowdfunding Szene beschäftigen möchte findet hier eine kleine Übersicht der bekannteren Plattformen und Varianten aufgelistet. Weitere Anregungen nehmen wir gerne über das Kommentarfeld entgegen!

Zeit: Hollywood lässt den Klingelbeutel kreisen
Spiegel: Crowdfunding – Die Chefs, das sind wir alle
Spiegel: Crowdfunding – Warten auf das deutsche Kickstarter
Heise: Crowdfunding Plattformen sammeln weltweit Milliarden ein
SZ: Massenphänomen Crowdfunding – Am Anfang war der Geldmangel